Eine Laune, das Leben!

Buchtipp #2: "Capricho" von Beat Sterchi

«Kartoffeln wollte ich setzen! Zum ersten Mal!», erläutert der Protagonist und Erzähler in Beat Sterchis Roman «Capricho» zu Beginn seiner Arbeit im «huerto», seinem Gemüsegarten im Nordosten Spaniens. Morella, so heisst das kleine Dorf, ist das jährliche Ferienziel sowie Arbeitsort des Hobbygärtners und Schriftstellers. Munter dokumentiert er seinen Alltag: Die Besuche im Dorf, um Zeitungen zu kaufen, die Arbeit in seinem bewässerten Garten und die Interaktionen mit den Bewohnern, die seine Bemühungen erkennen – oder besser, seine Versuche tatkräftig zu unterstützen wissen. Den roten Faden für sein wirkliches Schreibvorhaben findet er jedoch nicht, die entsprechende Laune (span. «el capricho») stellt sich nicht ein.

Die episodischen Kapitel des Romans werden mit geselligen Charakteren, alltäglich scheinenden Vorkommnissen und dem täglichen Leben angereichert – den Leserinnen und Lesern sozusagen nach der Ernte zum Verzehr angeboten. Beat Sterchi bietet durch die Augen seines Erzählers eine malerische Landschaft an, an Authentizität fehlt es im Roman nicht. Die diversen sprachlichen Einschübe auf Spanisch, welche direkt übersetzt werden, entführen in eine mediterrane Welt, in Ferienträume, in die Ferne und ins Unbekannte.

Buchcover "Capricho. Ein Sommer in meinem Garten." von Beat Sterchi. Gemalte Landschaft.

Authentisch. Wer diesen Roman liest, lässt sich bewusst in einen spanischen Gemüsegarten entführen. Hacken, buddeln, jäten, sähen und wässern gehören zum Grundwortschatz sowie sprechen, schreiben und lachen zugleich. Jederzeit begebe ich mich erneut nach Spanien, in die gleissende Sonne, den giessenden Regen. Der tropfende Schweiss nach getaner Arbeit, das kühle Getränk zum Abschluss eines erfolgreichen Tags!

Entschleunigt. Der Klappentext trifft das Lesegefühl von «Capricho» perfekt. «Capricho ist ein Buch voller Weisheit, ein Buch des Innehaltens und der Entschleunigung.» Besser kann man es fast nicht beschreiben: Die Ruhe, die während der Lektüre aufkam, liess mich im Sofa versinken (oder abends im Bett Wurzeln schlagen).

Lebendig. Die aufkommende Ruhe darf dabei nicht als Langeweile verstanden werden. Beat Sterchi führt mich durch detailliert beschriebene Abläufe, erschafft dadurch Bilder während dem Lesen, die mich die Umgebung wahrnehmen und an der Arbeit teilnehmen lassen. Als Vorgeschmack hier der erste kurze Satz des Buches, der bereits ein genussvolles Ambiente herbeiruft: «Der Ginster blühte.» Wahnsinnig!

Dringende Empfehlung für (Hobby-)Gärtner, Entschleuniger und alle, die den sonnigen Süden im Winter vermissen werden.

Meine wöchentlichen Stationen führen mich an faszinierende Orte der Nordwestschweiz, drei Kantone darf ich als Zufluchtsorte (oder einfach als Arbeits- und Wohnorte) bezeichnen. Meine Woche beginnt in Basel, das Studium in Germanistik und Geschichte an der Universität erfordert meine vollste Aufmerksamkeit; nächster Halt ist das stets sonnige (lies: neblige) Solothurn, wo ich mich tagsüber bei Pro Senectute für das Alter engagiere. Meine Abende und Wochenenden verbringe ich in Laufen, Kanton Baselland, Pufferzone zwischen den zwei Städten und der Ort, den ich mein wohliges Zuhause nennen darf. Eines haben alle Stationen gemein: sie werden jeweils mit einem Buch in der Hand erreicht, reissen mich aus der fiktiven Welt, sobald die Durchsage erklingt – «Nächster Halt Basel, Solothurn, Laufen».

Der Pro Senectute Buchtipp erscheint in einem dreiwöchigen Rhythmus, behandelt aktuelle Neuerscheinungen sowie Bücher, die auch nach Jahren noch zu überzeugen wissen. Ob Schweizer oder internationale Autorinnen und Autoren, lassen Sie sich in fremde Welten entführen; ich freue mich auf Ihre Anregungen oder Beitragswünsche.

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