Eine Geschichte gegen die Langeweile

Buchtipp # 6 «Königskinder» von Alex Capus

Der Roman «Königskinder» des in Olten wohnhaften Autors Alex Capus erzählt die Geschichte von Max und Tina und deren Auseinandersetzung mit Dunkelheit und Kälte, Beisammensein und Frust sowie mit Langeweile und einer Lösung dafür. Kurzum: Sie stecken in ihrem Toyota zu später Stunde im Schnee fest und können ihren Ausflug erst am nächsten Morgen fortsetzen. Max erzählt dabei seinerseits eine «wahre» Geschichte von Jakob und Marie, einem unscheinbaren Liebespaar zur Zeit der Französischen Revolution, um Tina den Aufenthalt im festgefahrenen Fahrzeug zu erleichtern. Es folgt eine historische Binnenerzählung, verwoben mit humorvollen Einschüben aus dem Innern eines Blechkastens, der sich auf einer Gebirgsstrasse verirrt hat.

Historisch. Ein Schweizer Kuhhirte zur Zeit der Französischen Revolution. Mehr gibt es dazu fast nicht zu berichten, ausser vielleicht ein Ausschnitt aus dem Buch anzufügen: «Wenn Jakob morgens nach dem Melken die Stalltür öffnet, tritt als Erstes die Leitkuh ins Freie, gefolgt von der Stellvertreterin der Leitkuh und der Stellvertreterin der Stellvertreterin; den Abschluss bilden die Kälber.» Es handelt oft von Kühen…

Fesselnd. Wahrscheinlich hat es jeder schon einmal erlebt. Als Kind (oder als Erwachsener) sitzt oder liegt man auf dem Sofa, auf dem Bett oder versucht es sich im Auto bequem zu machen und einer Person beim Erzählen einer Geschichte zuzuhören. Die Rahmenerzählung, das Erzählen der Geschichte durch Max, ist für mich der Star im Roman. Mit leuchtenden Augen denke ich an Personen zurück, deren Fähigkeit, eine Geschichte spannend zu erzählen, von niemandem übertrumpft werden kann. Kennen auch Sie eine solche Person?

Abwechslungsreich. Historische Romane sind normalerweise nicht so mein Ding. Doch in diesem Fall muss ich eine riesige Ausnahme machen. Jedes Mal, wenn mir die Erzählung von Max schon fast ein bisschen zu viel wurde, konnte mich die Rahmenerzählung zum perfekten Zeitpunkt wieder an den Roman fesseln. Die Art, wie Alex Capus seine kleinbürgerlichen Figuren miteinander interagieren lässt und wie sie sich über die erzählte Geschichte äussern, ist auf eine humorvolle und realistische Weise gelungen. Hier ist wahrscheinlich noch ein Hinweis auf Alex Capus’ Buch «Mein Nachbar Urs» angebracht, indem er es ebenso versteht, diese Dynamik in «alltäglichen» Situationen zwischen Mitmenschen ausgezeichnet darzustellen.

Dringende Leseempfehlung für RevolutionärInnen, RomantikerInnen und alle BewohnerInnen der Stadt Olten. Ja, Sie haben richtig gelesen: ALLE aus der Stadt Olten!